Ein echtes Urgestein der Elchinger Pilotenszene hat seine aktive Fliegerlaufbahn beendet.

„Ein wenig gerührt war ich schon“, so „Fred“ Rainer nach seinem letzten Segelflug mit dem Segelflugzeug. Es sollte eigentlich ein ganz „normaler“ Flug werden. Nichts an die große Glocke hängen, so seine Devise. Einfach machen und gut ist. So ganz wie sich Alfred Rainer seinen letzten Segelflug vorgestellt hat, wurde es dann doch nicht.

Seine Familie war anwesend, um an diesem besonderen Tag dabei zu sein. Als Segelflugzeug stand ihm der L-Spatz 55 zur Verfügung. Dieser Oldtimer wird dieses Jahr 70 Jahre alt und war das erste richtige Leistungssegelflugzeug des Luftsportrings Aalen, als es im Jahr 1956 angeschafft wurde. Mit diesem Flugzeug ist Alfred Rainer schon in seiner Jugend geflogen. Als Schleppflugzeug haben die Kameraden aus dem Fliegen Museum in Elchingen einen historischen Fieseler Storch herausgesucht. Stilvoller geht es fast nicht. Viele Mitglieder des Vereins, junge wie langjährige Weggefährten, welche schon seit vielen Jahren nicht mehr aktiv als Piloten unterwegs sind, haben sich extra auf den Weg zum Flugplatz gemacht, um bei „Freds“ letztem Start persönlich dabei zu sein. Aufgestellt zum Spalier mit La-Ola-Welle; das gab es so noch nie bei einem Segelflugstart. Eine gute Stunde, bei bester Wolkenthermik ist Fred Rainer dann mit dem Spatz über dem Härtsfeld gekreist. „Der Fred wird heute nicht mehr runter kommen!“ so der ironische Kommentar der anwesenden Kameraden.

Die Redewendung „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“ wird oft als Ratschlag verstanden, um den richtigen Moment für einen Ausstieg nicht zu verpassen. Fred – wie Alfred Rainer weit über den Luftsportring hinaus bekannt ist – hat sich selbstbestimmt „in Würde“ von der aktiven Fliegerei verabschiedet. Und das mit weit über 80 Lebensjahren. Eingetreten in den Verein ist Alfred Rainer im Dezember 1953. Damals hieß der Luftsportring Aalen noch Fliegergruppe Aalen-Unterkochen.

Ein geeignetes Fluggelände gab es damals noch nicht. Die Aalener Segelflieger starteten in der Nachkriegszeit noch an den Hängen des Albtraufs rund um die Stadt Aalen. Sein erster Flug war am 31. Januar 1954 am „Westerfeld“.

Oberhalb der heuten Bundesstraße 19, im Bereich der Triumphstadt. Er startete auf einem einsitzigen Schulgleiter, eine Vorkriegskonstruktion. In seinem Flugbuch ist westlicher Wind, der Stärke 2 – 4 dokumentiert. Die Flugdauer waren ein paar Sekunden. Man sprach damals bei solchen „Flügen“ von einem Rutscher.

Der zweite Flug war drei Wochen später. Da schon auf dem Härtsfeld bei Bernlohe. Mit einem Doppelsitzer „Doppelraab“ und Fluglehrer Hirzel auf dem hinteren Sitz. Als Flugdauer wurden 3 Minuten geschrieben. Erst später flogen Rainer und die anderen Segelflieger in Elchingen.

Am Ende seiner Pilotenlaufbahn stehen 8248 Starts und 5468 Flugstunden in seinen  Flugbüchern von Alfrad Rainer. Als Segelflieger, Motorflug-Pilot und als Ultraleicht-Scheininhaber.

Doch Alfred Rainer ist nicht immer nur geflogen. Im Luftsportring hat er über Jahrzehnte hinweg ehrenamtlich mitgearbeitet. Er war über 20 Jahre Werkstattleiter. Anschließend als Segelflugreferent des Luftsportrings und für den gesamten Segelflugsport verantwortlich.

Als Wettbewerbsleiter organisierte er viele Segelflugmeisterschaften in Elchingen. Auch in diesem Jahr ist Alfred Rainer Teil des Organisationskomitees der Junioren-Weltmeisterschaften im August. Der stellvertretende und 2. Vorsitzende des Luftsportrings Tobias Brandstetter war einer der ersten Gratulanten nach der perfekten Landung mit dem Spatz und würdigte die außerordentliche Lebensleistung.

Mit dem Wort ‚Legende‘ muss man heutzutage sehr vorsichtig umgehen, allzu schnell sind viele mit dieser Bezeichnung bei der Hand, die doch ausschließlich für Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und Verdiensten reserviert sein sollte.

Alfred Rainer wird sich im Luftsportring Aalen, seinem Verein, auch weiterhin ehrenamtlich engagieren und mithelfen, wo es möglich ist und seine unendliche Erfahrung gefragt ist. Insgesamt war Alfred Rainer 26.496 Tage Pilot. Eine wirklich denkwürdige Zahl.

Michael Kost
Presse und Öffentlichkeitsarbeit